Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung

Renaturierung

Die Thur findet wieder ihren eigenen Lauf

Das Projekt «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung» gibt dem Fluss seine ursprüngliche Dynamik mindestens teilweise zurück: Mit der Entfernung der festen Uferverbauungen kann die Thur nach und nach wieder Schleifen (Mäander) bilden und die Ufer erodieren. Erreicht die Thur eine vordefinierte Grenzlinie, so werden flussbauliche Lenkungsmassnahmen evaluiert.

Damit dieser Prozess schnell und effizient einsetzt, wurden so genannte Initialisierungsflächen (8) erstellt: Durch das Ausbaggern halbmondförmiger Flächen entlang der Thur erhielt der Fluss einen leicht geschwungenen Lauf, der die natürliche Entwicklung der Mäander beschleunigt. Auf den Schleifeninnenseiten entstehen Sand- und Kiesbänke, auf denen sich neue Weichholzauen bilden. Die steilen Schleifenaussenseiten bieten Brut- und Rückzugsmöglichkeiten für Vögel und eine Vielzahl weiterer Lebewesen.

Die Mündung der Thur in den Rhein wird mit der Zeit wieder eine natürliche Form annehmen. Aus dem heutigen Ausfluss mit dem widerstandsarmen, spitzen Einleitungswinkel entsteht wieder ein mehrarmiges Delta wie früher.

Der Wasserlauf der Thur wird ebenfalls vielfältiger als bisher: In wenigen Jahren wechseln sich flache Schnellen mit tiefen, ruhigen Flussabschnitten ab. Wo das Wasser schnell fliesst, wird die Sohle stärker aufgeraut als dort, wo es ruhig fliesst. Die unterschiedlichen Sohlenbeschaffenheiten, verbunden mit verschiedenen Wassertiefen und Fliessgeschwindigkeiten, führen zur Bildung wertvoller Lebensräume für Fische und andere Wasserlebewesen.

Der Wald macht mit einer Fläche von 270 Hektaren rund 70 Prozent des
geschützten Auengebiets aus. Durch starke Auflichtungen in den höher gelegenen, sehr selten überfluteten Teilen sind lichte Wälder geschaffen worden, die seltenen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum bieten. Auf 25 Hektaren im eher nassen Gebiet beidseits der Thur wird auf jeden Eingriff verzichtet. In diesen Naturwaldreservaten kann sich mit der Zeit eine urwaldähnliche Pflanzengesellschaft bilden.

Entlang der Thur wurden zudem neue Auengewässer, Riedwiesen und Trockenstandorte (9) angelegt.