Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung

Hochwasserschutz

Zukunftsorientierter Hochwasserschutz

Der fünf Kilometer lange Kanal, der die Thur ab Kleinandelfingen zum Rhein führte, entstand um 1860. Damals war es richtig, den Fluss zu kanalisieren, denn so konnten die Wassermengen bei Hochwasser rasch abgeführt werden. Gleichzeitig gewann man Siedlungs- und Kulturland für die wachsende Bevölkerung. Doch die in den letzten Jahren realisierte Sicherung des oberen Thurlaufs gegen Überschwemmungen bringt zusätzliches Wasser. Trotz Verbauungen und Dämmen kam es immer wieder zu Überschwemmungen im Thurtal.

Moderner Hochwasserschutz lebt von der Erkenntnis, dass nur eine naturnahe Hochwassersanierung zu den besten Schutzresultaten führt. Diesem Prinzip folgt auch das Projekt «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung»: Hochwasserschutz und Renaturierung werden in Einklang gebracht. Mit der Entfernung der Uferverbauungen kann die Thur wieder ihren Schleifenlauf bilden und die angrenzenden Auenwälder bei Hochwasser teilweise überfluten. Das Auengebiet wird hydraulisch wie auch ökologisch dynamisiert und funktioniert, wenn auch beschränkt, als Rückhaltebecken.

Um gleichzeitig die Siedlungen und Landwirtschaftsflächen an der Thurmündung vor Hochwasser zu bewahren, sind verschiedene Massnahmen umgesetzt worden und noch geplant:

In Ellikon am Rhein schützen seit 2009 feste und mobile Dämme (1) Hab und Gut vor Hochwasser.

Das Flaacherfeld ist zwischen Thurhof und Flaach seit 2010 vor Überflutungen geschützt – durch Verstärkung, Erhöhung und Neubau von Dämmen (2).

Bis 2020 sind auch die Landwirtschaftsflächen in den Gebieten Neugrüt (3) und Engihäuli (4) gegen Überflutungen durch die Thur abgesichert – durch Erhöhung der Wege und Geländeanpassungen.

Bei Hochwasser steigen nicht nur die Pegel von Thur und Rhein, sondern auch jener des Grundwasserstroms. Das führt im Flaacherfeld zu einer Überschwemmung «von unten»: Wasser steigt im Boden an und verschlechtert die Produktionsbedingungen. Aufschüttungen (5) aus Material, das bei der Renaturierung der Thur ausgehoben wurde, vergrössern den Abstand von der Bodenoberfläche zum Grundwasserspiegel und neutralisieren damit den unerwünschten Effekt. Das sandhaltige Material, mit dem die landwirtschaftlichen Flächen erhöht wurden, eignet sich zudem gut für den Gemüseanbau.

Das Flaacherfeld liegt unter dem Niveau der Flüsse Rhein und Thur. Deshalb wird es bei Hochwasser auch durchnässt, weil das hochstehende Wasser durch die Dämme sickert. Um das Sickerwasser zu sammeln und schadlos abzuführen, wurde der bestehende Holenrütigraben ausgebaut und zum Teil naturnaher gestaltet. Mit einem neuen Pumpwerk beim Forspitz (6) wird das gesammelte Wasser zurück in den Rhein befördert.