Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung

Zweite Bauetappe

In der zweiten und letzten Bauetappe gilt es, die Thur vom Rest ihres Korsetts zu befreien und gleichzeitig Landwirtschaftsland vor Hochwasser zu schützen. Im Auenwald entstehen weitere wertvolle Lebensräume. Ausserdem wird Landwirtschaftsland im Flaacherfeld aufgewertet. Die Arbeiten erfolgen in drei Teilen. Der erste Teil ist bereits beendet, bis Sommer 2017 sind voraussichtlich auch der zweite und dritte Teil und damit alle verbleibenden Arbeiten in den Thurauen abgeschlossen. Die Überwachung der Entwicklung in den Thurauen und die Erfolgskontrollen der Massnahmen laufen jedoch darüber hinaus weiter.

Teil 1: 2012 – 2015

  • Die verbliebenen Längsverbauungen an der Thur wurden entfernt, der Fluss beim markanten Eggrank verlegt und verbreitert, das Ufer ökologisch aufgewertet und zusammen mit der dahinter liegenden Kantonsstrasse vor Erosion geschützt. Das Flachufer auf der Kurveninnenseite hat sich wegen der Massnahmen in Richtung Norden verschoben.
  • Bei der Ellikerbrücke wurde das südliche Thurufer abgeflacht, um Erholungsuchenden einen besseren Zugang zum Wasser zu ermöglichen.
  • Mit einem Teil des Aushubs werden im Flaacherfeld Landwirtschaftsflächen verbessert.
  • Beim Engihäuli wurden Baumbuhnen erstellt, die die Landwirtschaftsflächen vor Erosion schützen und den Fluss ökologisch aufwerten.

Der Teil 1 der zweiten Bauetappe ist seit April 2015 abgeschlossen.  

Teil 2 + 3: 2016 – 2017

  • Im «Wannenmacher» wird eine dritte Flussausbuchtung ausgebaggert.
  • Mit dem gewonnenen Aushub werden weitere 6,5 Hektaren Landwirtschaftsland im Flaacherfeld zu vollwertigen Fruchfolgeflächen aufgewertet.
  • Auf der südlichen Flussseite erleichtern Massnahmen den Wasserabfluss der Thur in den Auenwald bei extremem Hochwasser.
  • Die Landwirtschaftsgebiete im Engihäuli und im Neugrüt erhalten gleichzeitig einen Hochwasserschutz.
  • Im Auengebiet östlich der Ellikerbrücke erfolgen weitere ökologische Aufwertungen, zum Beispiel mit dem Bau von Weihern, dem Anlegen von feuchten Magerwiesen und der Revitalisierung des Mederbachs.

Zweite Bauetappe, Teil 2 + 3

Schutz für wertvolles Ackerland – Platz für die Auennatur

In den Gebieten «Engihäuli» und «Neugrüt» entstehen Dämme, um die wertvollen Landwirtschaftsflächen vor Überschwemmungen grosser Thurhochwasser zu schützen. Solche Überschwemmungen werden künftig nicht mehr vom bestehenden Längsdamm entlang der Thur zurückgehalten, sondern weiter hinten, an der Grenze des nationalen Auenschutzgebiets. Dadurch wird der Auenwald gelegentlich überflutet, wie es seine Bestimmung ist. Die Geländegestaltung wird dafür sorgen, dass das Wasser nicht liegenbleibt und keine neuen Mückenbrutstätten entstehen. Die gelegentlichen Überschwemmungen verbessern die Lebensbedingungen typischer und seltener Auenpflanzen und -tiere wie etwa der Schwarzpappel oder der Gelbbauchunke.

Der Mederbach, der von Marthalen her durch das Auengebiet in die Thur fliesst, wird dort revitalisiert, wo der Biber dies nicht bereits besorgt hat.

Am nördlichen Thurufer, bei «Wannenmacher», wird eine weitere Initialisierungsfläche ausgebaggert. Sie liefert nicht nur Material für landwirtschaftliche Bodenaufwertungen im Flaacherfeld, sondern hilft der Thur auch, sich nach und nach wieder natürlich durch die Landschaft zu schlängeln. Die Thur kann sich damit auf einer Strecke von über vier Kilometern auf natürliche Weise selber entwickeln. Eine solche natürliche Flusslandschaft ist im schweizerischen Mittelland einzigartig.

Auch im «Wannenmacher» kann sich die Thur dank Initialisierungsbaggerungen bald mehr nach rechts bewegen, wie hier beim Wolauerhau. Die neu entstehenden Prallhänge sind ideale Brutstätten für den seltenen Eisvogel. Das ausgebaggerte Material dient zur Aufwertung von Landwirtschaftsland im Flaacherfeld.

Während den Bauarbeiten entstehen weitere Weiher wie dieser, der bereits erfolgreich von der Natur erobert wurde.

Bessere Lebensgrundlagen für einheimische Tiere und Pflanzen

Neben den flussbaulichen Massnahmen erfährt die Auennatur eine Vielzahl ökologischer Aufwertungen. Es entstehen Lebensräume für Amphibien, Libellen, Käfer, Schmetterlinge und andere Insekten und eine vielseitige Pflanzenwelt. Auf neuen feuchten Magerwiesen, in Mulden und in dauerhaft ans Grundwasser angeschlossenen Weihern können sich viele einheimische Auenbewohner ansiedeln, deren Lebensräume in den letzten Jahrzehnten im Schweizer Mittelland kontinuierlich geschrumpft sind.

Die ökologischen Eingriffe sind teilweise schon nach kurzer Zeit für das ungeübte Auge nicht mehr zu erkennen. Wer sich aber mit Tieren und Pflanzen auskennt, wird den Unterschied im Artenreichtum rasch bemerken.

Landwirtschaftliche Böden werden zu vollwertigen Fruchtfolgeflächen

Mit dem Aushub aus der Initialisierungsfläche «Wannenmacher» werden weitere 6,5 Hektaren Landwirtschaftsland zu vollwertigen Fruchtfolgeflächen
aufgewertet, die heute als nur bedingt fruchtfolgefähige Böden gelten. Die flächigen Schüttungen im Flaacherfeld werden auffallen. Das aufgewertete Land muss nach Abschluss der Bauarbeiten noch drei bis vier Jahre besonders sorgfältig bewirtschaftet werden. Die möglichen Fruchtfolgen sind in dieser Zeit eingeschränkt, damit sich das Bodengefüge richtig ausbilden kann. Nach Abschluss aller Arbeiten werden im Thurauengebiet insgesamt rund 45 Hektaren Landwirtschaftsland verbessert sein. Das entspricht der Fläche von mehr als zwei durchschnittlich grossen Schweizer Bauernhöfen.

Im Gebiet «Wannenmacher» erlauben neue Hides, die Natur zu beobachten, ohne dass scheue Tiere erschrecken und fliehen. Das Bild zeigt ein bestehendes Beobachtungsversteck weiter flussabwärts.

Auch die Erholungssuchenden haben etwas davon

Für die Spaziergänger wird ein Wanderweg angelegt, der an zwei neuen Beobachtungsver-stecken vorbeiführt. So wird es für interessierte Naturbeobachter auch im Gebiet «Wannenmacher» möglich, scheue Tiere zu beobachten, die sonst flüchten würden. Vom Südufer aus wird der Blick auf die Flusslandschaft durch extra angeordnete Lücken im Ufergehölz ermöglicht. So können Wanderer auch zwischen den Erholungsschwerpunkten an der Ellikerbrücke und beim
Eggrank beidseits der Thur den Einblick in eine wunderschöne und belebte Flusslandschaft geniessen.