Hochwasserschutz Sihl, Zürichsee, Limmat

Sihl-Schwemmholzrechen

2005: Schwemmholz beim Wasserkraftwerk in Langnau am Albis.
2005: Schwemmholz beim Wasserkraftwerk in Langnau am Albis.

An der Sihl gibt es ein Problem, das alle Massnahmen zum Hochwasserschutz wirkungslos machen könnte: Verstopfungen durch Schwemmholz an kritischen Stellen wie Brücken oder den Durchlässen unter dem Hauptbahnhof Zürich.

Siedlungsgebiete an der Sihl sind gefährdet

Diese Verstopfungen mit Schwemmholz hätten Ausuferungen zur Folge. Die Sihl würde dicht besiedelte und stark genutzte Gebiete überfluten und grosse Schäden anrichten. Aufgrund der Schwemmholzgefahr hat der Regierungsrat 2010 einen Projektierungskredit von 1,5 Millionen Franken für einen Schwemmholzrechen in der Sihl genehmigt. Der Rechen ist ein zentraler Bestandteil des langfristigen Hochwasserschutzes im Einzugsgebiet von Sihl, Zürichsee und Limmat.

Idealer Rechen-Standort oberhalb von Langnau am Albis

Der Kanton Zürich liess 16 Standorte an der Sihl zwischen Sihlbrugg und Zürich prüfen. Nur der Standort Rütiboden bei Langnau am Albis erfüllt die Bedingung einer scharfen Flusskurve. In der Kurve drückt das Wasser durch die Fliehkraft nach aussen. Das Schwemmholz wird zur Kurvenaussenseite transportiert und landet bei Hochwasser im seitlich des Flusses angelegten Rückhalteraum. Er ist gross genug für die maximal zu erwartenden 12 000 m³ Holz.

Rechen hält Schwemmholz sicher zurück

Ungefähr alle zehn Jahre treibt die Sihl bei kritischem Hochwasser Schwemmholz in den Rechen.
Ungefähr alle zehn Jahre treibt die Sihl bei kritischem Hochwasser Schwemmholz in den Rechen.

Der Rechen im gefüllten Zustand

Modellversuche an der ETH Zürich haben gezeigt, dass der Parallelrechen im Hochwasserfall bis zu 95 Prozent des Schwemmholzes in der Sihl sicher zurückhält. Das restliche Schwemmholz ist für die unterhalb liegenden Siedlungsgebiete in Langnau am Albis, Adliswil und Zürich keine Gefahr. Wenn der Rückhalteraum nach dem Hochwasser wieder trocken liegt, wird das Schwemmholz zerkleinert und wegtransportiert, was ungefähr alle zehn Jahre nötig sein wird.

Im Einklang mit der Umwelt

Der Kanton Zürich hat mit den kantonalen Fachstellen und den betroffenen Gemeinden Massnahmen zugunsten der Natur erarbeitet. Geplant sind Standorte für Feuchtwiesen und ein Amphibienteich. Die Verzahnung der Sihl mit den angrenzenden Uferbereichen schafft unterschiedliche Strömungsverhältnisse, die den Fischen zugutekommen. Dank sorgfältiger Detailgestaltung passt sich der Schwemmholzrechen gut in die Landschaft ein.

Zahlen und Fakten

– Abmessungen: Länge 350 Meter, Breite 5–35 Meter
– Stäbe: 67, Höhe: 3,0–4,5 Meter, Durchmesser: 0,4 Meter
– Abstand zwischen den Stäben: 3,7 Meter
– Fassungsvermögen Rückhalteraum: 12000 m³ (Lockervolumen)
– Schwemmholzrechen einsatzbereit: April 2017
– Abschlussarbeiten: bis Ende Mai 2017
– Kosten: rund 25 Millionen Franken

Ab April 2017 mehr Schutz vor Hochwasser

Im April 2016 haben die Bauarbeiten im Rütiboden oberhalb Langnau a. A. begonnen.

Im Dezember 2014 hat der Regierungsrat das Projekt festgesetzt und dem Kantonsrat beantragt, einem Kredit von knapp 26 Millionen Franken zuzustimmen. Davon wird der Bund voraussichtlich 45 Prozent übernehmen. Das Schadenpotenzial bei einem Extremhochwasser beträgt ein Vielfaches dieser Planungs- und Baukosten.

Der Kantonsrat hat den Kredit im Juni 2015 einstimmig gutgeheissen. Im April 2016 haben die Bauarbeiten begonnen, im Frühling 2017 sind sie abgeschlossen. Ab dann sind Langnau am Albis, Adliswil und Zürich wesentlich besser vor einem Sihl-Hochwasser geschützt.