Hochwasserschutz Sihl, Zürichsee, Limmat

Vertiefung & Konkretisierung

Für die Konkretisierung der beiden langfristigen Hochwasserschutzkonzepte führten die Kantone Zürich und Schwyz die Zusammenarbeit mit Projektpartnern und Betroffenen weiter. Dadurch ist eine breit abgestützte Projektentwicklung, Kommunikation und Entscheidungsfindung sichergestellt. Zur Vertiefung des Konzepts «Entlastungsstollen» hatte der Zürcher Regierungsrat im September 2012 einen Kredit von 4,25 Millionen Franken bewilligt.

Schutz gegen Extremhochwasser der Sihl

Fachleute haben 2012-2015 in Teilprojekten vertieft untersucht, wie der Schutz vor Hochwasser an Sihl, Zürichsee und Limmat langfristig zu gewährleisten ist. Die Abklärungen haben ergeben, dass die Stadt Zürich und der Hauptbahnhof vor einer Sihl-Hochwasserspitze von bis zu 600 Kubikmeter pro Sekunde zu schützen sind. Das entspricht einem Extremhochwasser mit einer statistischen Eintretenswahrscheinlichkeit von einmal in 300 bis 500 Jahren.

Die zur Erreichung dieses hohen Schutzgrades erforderlichen Investitionen des Kanton Zürichs von rund 70 bis 130 Millionen Franken stehen in einem sehr günstigen Verhältnis zum verhinderten Schadenwert von bis zu 6,7 Milliarden Franken bei einem Extremhochwasser allein in der Stadt Zürich. Betriebsausfälle, welche ein Mehrfaches dieses Schadenswerts betragen würden, sind darin noch nicht eingerechnet.

Vertiefte Abklärungen – wertvolle Erkenntnisse

Für die Konkretisierung der beiden Konzepte wurden an der ETH Zürich zwei Modellversuche durchgeführt: Für den Einlauf eines möglichen Entlastungsstollens und die Ermittlung der maximalen Durchflusskapazität der Sihl unter dem Hauptbahnhof Zürich.

Die hydraulischen Versuchsreihen an der ETH Zürich haben bestätigt, dass die Kapazität der Sihl-Durchlässe beim
Hauptbahnhof Zürich nur bis zu einem Hochwasser ausreicht, wie es etwa alle 30 Jahre zu erwarten ist.

Anstieg des Zürichsees kann ausgeglichen werden

Untersucht wurden auch die Auswirkungen der in beiden Konzepten geplanten Umleitung von Sihl-Hochwasserspitzen in den Zürichsee. Die Untersuchungen zeigen, dass eine Überleitung nur zu einem geringen Anstieg des Zürichseespiegels um rund 5 Zentimeter führt. Dieser Anstieg kann ausgeglichen werden durch die Erhöhung der Abflusskapazität der Limmat bei der Münster- und Rathausbrücke in Zürich.

Vertiefung der Kombilösung Energie dauert länger

Die Konkretisierung der beiden Konzepte ergab auch, dass der Prozess zur Neukonzessionierung des Etzelwerkes sehr aufwendig ist. Damit dauern auch die Abklärungen zur Kombilösung Energie erheblich länger als ursprünglich angenommen.

Erst im Rahmen des im März 2015 gestarteten Vorprojekts zur Erneuerung des Etzelwerks können die SBB den Hochwasserschutz bei einer Kombilösung Energie vertieft untersuchen. Die Planung für einen Stollen zur teilweisen Umleitung der Alp oberhalb von Einsiedeln in den Sihlsee hat die SBB aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen sistiert.

Noch keine favorisierte Lösung

Die Vertiefung und Konkretisierung der Konzepte hat bestätigt, dass weder die Kombilösung Energie noch der favorisiert werden kann. Beide Konzepte schützen die Siedlungsgebiete vor Hochwasserschäden von bis zu 6,7 Milliarden Franken. Sowohl der Entlastungsstollen als auch die Kombilösung Energie ermöglichen eine ökologische und städtebauliche Aufwertung des Sihl-Flussraums.

Bei beiden Lösungen soll die Sihl ihren Charakter als Wildfluss behalten. Für den Entlastungsstollen spricht die einfachere Projektierung, während die Kombilösung Energie Hochwasserschutz und Energieproduktion miteinander verbinden würde und für den Kanton Zürich kostengünstiger sein dürfte.