Smog-Situationen

Wintersmog

Wintersmog-Situationen entstehen während austauscharmen Wettersituationen im Winter (oft ausgezeichnet durch Hochnebel) - sogenannten Inversionswetterlagen. Eine Inversion zeichnet sich dadurch aus, dass höhere Luftschichten wärmer sind als tiefer liegende Luftschichten. Da warme Luft steigt und kalte Luft sinkt, bleibt die kalte Luft unten liegen – im schweizerischen Mittelland kann sich ein „Kaltluft-See“ bilden. Es findet kein vertikaler Luftaustausch mit höheren Luftschichten statt. Dadurch reichern sich Schadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide in den unteren Luftschichten an. Zudem stossen die in den Wintermonaten im Betrieb stehenden Heizungen noch zusätzlichen Feinstaub und zusätzliche Stickoxide aus.

Inversionswetterlagen können über mehrere Tage oder sogar Wochen andauern. Je länger eine solche Inversionswetterlage bestehen bleibt und je tiefer die Inversionsschicht liegt, desto höher steigt die Luftschadstoffbelastung. Im schweizerischen Mittelland entsteht sozusagen ein „Feinstaub-See“ unterhalb der Inversionsschicht. Deshalb werden während solcher Situationen im schweizerischen Mittelland ähnlich hohe Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Belastungen gemessen - unabhängig davon, ob die Messstation im städtischen oder ländlichen Gebiet liegt.

Massnahmen

Zum Schutz der Bevölkerung – insbesondere von empfindlichen Personen – haben die Kantone (konkret die Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz BPUK) am 21. September 2006 ein Interventionskonzept für Wintersmog-Situationen beschlossen. Mit temporären Massnahmen wollen die Kantone koordiniert vorgehen, um die Luftqualität kurzfristig zu verbessern oder zumindest einen weiteren Anstieg der Luftschadstoffbelastung zu verhindern.

Für die Umsetzung des Interventionskonzepts im Kanton Zürich hat der Regierungsrat am 1. Dezember 2006 die SMOG-Verordnung erlassen (RRB Nr. 1652/2006).

3-stufiges Vorgehen gemäss SMOG-Verordnung

StufePM10-BelastungMassnahmen
Informationsstufe> 75 µg/m³
(1.5 x Grenzwert*)
Aufruf zu Aktionen in Eigenverantwortung:
- Umstieg auf den öffentlichen Verkehr
- Bilden von Fahrgemeinschaften
- vorausschauendes und niedrigtouriges Fahrverhalten im Strassenverkehr
- Verzicht auf das Entfachen von Feuern (Schwedenöfen, Cheminées, Verbrennen von Garten- und Forstabraum)
- Verzicht auf den Einsatz von Dieselmotoren ohne Partikelfilter
Interventionsstufe I> 100 µg/m³
(2 x Grenzwert*) 
- Aktionen in Eigenverantwortung (wie bei Informationsstufe)
- Tempo 80
- Verbot des Betriebs von Zweitfeuerungen
- Verbot von Feuer im Freien
Interventionsstufe II> 150 µg/m³
(3 x Grenzwert*) 
- Massnahmen der Interventionsstufe I
- Verbot des Einsatzes von Maschinen, Geräten und Fahrzeugen auf Baustellen sowie in der Land- und Forstwirtschaft, wenn sie nicht mit einem Partikelfilter ausgerüstet sind

* Jahresmittel-Grenzwert für Feinstaub (PM10) = 50 µg/m³

Voraussetzung für das Eintreten einer Stufe ist eine Wetterprognose der Meteo-Schweiz, welche für die nächsten 3 Tage eine stabile Wetterlage voraussagt.

Bei Eintreten der Informationsstufe (Feinstaub PM10 > 75 µg/m³) informiert der Kanton Zürich die Bevölkerung und ruft sie mit einfachen Verhaltensempfehlungen auf, freiwillig und eigenverantwortlich zur Verbesserung der Luftqualität beizutragen (Beispiele für freiwillige Massnahmen siehe Tabelle).

Bei Eintreten der Interventionsstufe I (Feinstaub PM10 > 100 µg/m³) kann der Kanton Zürich auf Abschnitten von Autobahnen und Autostrassen Tempo 80 anordnen. Diese Massnahme wird mit den Nachbarkantonen koordiniert. Weiter dürfen im Freien keine Feuer entfacht werden. Zudem darf in Holz-Zusatzfeuerungen (z.B. Cheminées, Schwedenöfen) nur gefeuert werden, wenn sie über das Qualitätsgütesiegel von Holzenergie Schweiz oder einen Partikelfilter verfügen.

Bei Eintreten der Interventionsstufe II (Feinstaub PM10 > 150 µg/m³) gelten weiterhin die Massnahmen der Interventionsstufe I. Zusätzlich dürfen in der Land- und Forstwirtschaft nur noch dieselbetriebene Maschinen, Geräte und Fahrzeuge eingesetzt werden, die über Partikelfilter verfügen. Das Gleiche gilt für dieselbetriebene Baumaschinen.

Die Massnahmen werden wieder aufgehoben, wenn der Tagesmittel-Grenzwert für Feinstaub PM10 (50 µg/m³) wieder unterschritten ist.

Die temporären Massnahmen werden auf ihre Wirkung überprüft. So zeigt eine Auswertung der erstmaligen Anordnung von Tempo 80 auf Autobahnen im Winter 2006, dass der Verkehr um rund 10% zurückgegangen ist.  Immissionsmessungen lassen darauf schliessen, dass die Feinstaubbelastung im direkten Einflussbereich der Autobahn um bis zu 10% gesenkt werden konnte.

Die SMOG-Verordnung dient als Notfallkonzept bei ausserordentlichen Belastungssituationen. Für die längerfristige Verbesserung der Luftqualität müssen jedoch dauerhaft wirksame Massnahmen umgesetzt werden.