Invasive Neophyten (Pflanzen)

Invasive gebietsfremde Pflanzen sind

  • nicht-einheimische Pflanzen, die aus fremden Gebieten (meist aus anderen Kontinenten), absichtlich oder unabsichtlich, eingeführt wurden,
  • die sich bei uns in der Natur etablieren (Vermehrung in freier Natur ohne menschliches Zutun),
  • sich massiv ausbreiten und dadurch Schäden verursachen.

Duch invasive Neophyten verursachte Schäden sind

  • Verdrängung anderer Arten (z.B. Nordamerikan. Goldruten, Sommerflieder)
  • Gesundheitliche Schäden (z.B. Ambrosia, Riesenbärenklau)
  • Schäden an Bauwerken, Uferbefestigungen und Infrastrukturanlagen (z.B. Japanknöterich)

Nicht alle Neophyten sind invasiv! Die Schweizer Flora zählt ungefähr 550 Neophyten, davon werden zirka 45 zu den invasiven Neophyten gezählt.

Standorte dieser invasiven Neophyten im Kanton Zürich können im sogenannten Neophyten WebGIS erfasst werden.  Die Ansicht dieser Karte ist öffentlich, die Erfassung von Beobachtungen ist jedoch nur nach erfolgter Registrierung möglich.  

Im folgenden finden Sie Informationen zu einigen prioritären invasiven Neophyten.

Schmalblättriges Greiskraut

Steckbrief: 40 – 100 cm hohe, mehrjährige Pflanze mit schmalen ungeteilen Blättern von bis 6 cm Länge, oft mit bläulichem Schimmer. Die gelben Korbblüten haben einen Durchmesser von 1.5 - 2 cm mit je 10-15 Blütenblättern. Das Schmalblättrige Greiskraut kann mit der Zeit an der Basis verholzen. 

Blütezeit: Juni–November

Verwechslungsmöglichkeiten: Vor allem mit einheimischen Kreuzkräutern wie dem Jakobs-Kreuzkraut. Unterscheidung anhand der Stängelblätter, die beim schmalblättrigen Greiskraut schmal und ungeteilt sind

link zu Erkennungsmerkmale und Verwechslungsmöglichkeiten Schmalblättriges Greiskraut

Standorte: primär offene Stellen und Ruderalflächen wie z.B. Strassenränder und –böschungen, Bahnareale, Buntbrachen

Herkunft: Südafrika, eingeschleppt mit Schafswolle.

Ausbreitung/Verschleppung: Die Samen werden vom Wind und durch Fahrzeuge verbreitet (einige 100m).

Schäden:

  • Enthält giftige Inhaltsstoffe (Pyrrolizidinalkaloide), sogenannte Lebergifte, und ist daher schädlich für das Vieh. Besonders problematisch ist Silage oder Heu, da die Pflanze von den Tieren nicht erkannt wird. Die Giftstoffe sind auch schädlich für den Menschen.
  • Durch Massenauftreten werden einheimische Pflanzen konkurriert.

Ziele:  

  • An Verkehrswegen (insbesondere Autobahnen und SBB) soll die Art auf ein sehr tiefes Niveau reduziert werden, damit Weiterverbreitung in die Landschaft gestoppt wird.
  • Mittelfristig wird angestrebt, dass die Art aus dem Kanton Zürich verschwindet.

Massnahmen:

  • Überwachung des Umgangsverbot gemäss Freisetzungsverordnung
  • Erfassung aller Bestände im Neophyten WebGIS
  • Bekämpfung aller Bestände (Niederhalten bis Tilgung) 

Ambrosia

Steckbrief: 30-150 cm hohe (standortabhängig!), einjährige Pflanze mit gefiederten, kurz behaarten Blättern. Männliche und weibliche Blüten in getrennten Blütenständen, aber auf der gleichen Pflanze (einhäusig). Grüne Blüten mit gelben Staubbeuteln, Blütezeit Juli bis November.

Verwechslungsmöglichkeiten: Verschiedene Beifuss-Arten, z.B. der Gemeine Beifuss Artemisia vulgaris.

link zu Erkennungsmerkmalen und Verwechslungsmöglichkeiten Ambrosia

Standorte: Auf nacktem Boden, ist sehr trockentolerant. Brachland, landwirtschaftliche Flächen, Privatgärten sowie Strassen- oder Bahnränder.

Herkunft: Ursprünglich aus dem Nordosten der USA.

Ausbreitung/Verschleppung: Eine Pflanze produziert tausende von Samen, welche lange keimfähig bleiben. Die Verschleppung der Samen wird durch menschliche Aktivitäten begünstigt (Fahrzeugreifen in der Landwirtschaft oder auf Baustellen, Transport von samenbeinhaltender Erde). Ambrosia-Samen sind z.T. in Vogelfuttermischungen enthalten.

Schäden :

  • Verursacht heftige Allergien beim Menschen. Da Ambrosia ehr spät blüht, verlängert sie die Heuschnuppen-Saison deutlich.
  • Ist ein gefürchtetes Unkraut in der Landwirtschaft (Sonnenblumenkulturen und Brachen).

Rechtliche Grundlagen: Ambrosia ist im Anhang 2 (Verbotsliste) der Freisetzungsverordnung aufgelistet, d.h. Ambrosa darf weder verkauft noch angepflanzt werden.

Ziele: Die Art soll aus dem Kanton Zürich verschwinden (RRB 669), beziehungsweise auf einem sehr tiefen Niveau gehalten werden.

Hinweis: Eine vollständige Tilgung ist nicht möglich, da Vogelfutter weiterhin 10 Samen/kg enthalten darf und eine Einschleppung mit Saatgut aus dem Osten nicht ausgeschlossen ist.

Massnahmen:

Mit dem Regierungsratsbeschluss vom 10.5.2006 (RRB 669) wurde dem Strickhof Lindau des ALN der Auftrag erteilt, eine Sofortmassnahme im Kampf gegen die allergene Pflanze Ambrosia einzuleiten. Das auf die Feuerbrandaktion gestützte Ambrosiakonzept sieht vor, nicht nur die Gemeinden, sondern auch die breite Öffentlichkeit in das Projekt mit einzubinden.

  • Umgang (Verkauf, Anpflanzung usw.) ist gemäss Art. 15 Abs. 2 der FrSV, Anhang 2 der FrSV verboten.
  • Bestände müssen der Gemeindeverwaltung gemeldet und bekämpft werden.
  • Die Bestände sind durch die Gemeinden ins Neophyten WebGIS einzutragen.
  • Grössere Bestände müssen zusätzlich der kantonalen Pflanzenschutzberatung (Strickhof) gemeldet werden.
  • Weitere Informationen unter www.ambrosia.zh.ch.

Vorläufige Bilanz der Ambrosiaaktion

Die Ambrosiabestände konnten dank der guten Zusammenarbeit mit den Gemeinden deutlich reduziert werden.

Die Bestände müssen weiterhin der Gemeindeverwaltung gemeldet und bekämpft werden.

Japanknöterich

Der Japanknöterich ist die in Zürich am stärksten verbreitete Asiatische Knöterichart.

Steckbrief: Bis zu 3m hohe, mehrjährige Staude mit eiförmigen, 10-20cm langen Blättern und rispenartig verzweigeten Blütenständen. Hell gelb-grüne bis weisse Blüten, Blütezeit: August bis September.

Der grösste Teil der Biomasse wird durch das unterirdische Wurzelgeflecht (Rhizom) gebildet, welches bis 3m vertikal und horizonztal ins Erdreich vordringen und dann in einiger Distanz zum bestehenden Bestand neue Luftsprosse bilden kann. Im Winter stirbt die oberirdische Biomasse (Blätter und Stängel) ab.

Neben dem Japanknöterich kommen bei uns weitere asiatische Knötericharten vor:

  • Sachalin-Knöterich
  • Himalaja-Knöterich  
  • Bastard-Knöterich

Herkunft: Ostasien, wurde als Zierpflanze eingeführt.

Verwechslungsmöglichkeiten: Hauptsächlich mit den anderen invasiven Knötericharten

Standorte: Ufer, Strassen- und Eisenbahnböschungen, Gärten.

Ausbreitung/Verschleppung: durch Teile von Stängeln oder unterirdischen Ausläufern (Rhizome), die an neuen Standorten ausschlagen und neue Bestände begründen.

Schäden: rasche Ausbreitung führt zu dominierenden Reinbeständen, die inheimische Flora wird verdrängt und die Erosionsgefahr an Gewässern nach Absterben der oberirdischen Triebe nimmt zu und verändert das Abflussverhalten von Fliessgewässern, verursacht Schäden an Bauten (austreibende Wurzelstöcke).

Bekämpfung: Ohne Einsatz von Herbiziden ist eine Bekämpfung bisher kaum möglich. Der Herbizideinsatz ist jedoch in vielen Gebieten verboten (Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung Anhang 2.5).

Ziele: Verhinderung der weiteren Ausbreitung

Massnahmen

Für den Umgang mit Asiatischen Knötericharten gilt:

Auch in den USA ein Problem:Sensibilisierung der Bevölkerung (Vorfilm in den Kinos, Whatcom County)

Riesenbärenklau

Steckbrief: Bis 4m hohe, zweijährige Staude mit tief eingeschnittenen, gezackten, bis 3 m langen Blättern und weissblühenden Dolden (Durchmesser bis 50 cm), Blütezeit: Juni - August.

Verwechslungsmöglichkeiten: Der kleinere einheimische Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium).

Standorte: Ufer, Gärten, Waldränder, Wiesen, Kiesgruben

Herkunft: Kaukasus, wurde als Zierpflanze eingeführt

Ausbreitung/Verschleppung: durch Samen

Schäden: verursacht bei Berührung unter Sonneneinstrahlung Blasen und Verbrennungssymptome, Verdrängung der anderen Vegetation

Ziele: Der Kanton hat in seiner Strategie festgelegt, dass die Pflanze getilgt werden soll.
Da der Riesenbärenklau relativ einfach zu bekämpfen ist, sollte dieses Ziel in den nächsten Jahren erreicht werden.

Massnahmen

  • Umgang (Verkauf, Anpflanzung usw.) ist verboten (Art. 15 Abs. 2 der FrSV, Anhang 2 FrSV)
  • Standorte ins kantonale Neophyten WebGIS eintragen
  • Korrekte Bekämpfung (siehe Praxishilfe Neophyten)
  • Korrekte Entsorgung des Grünguts (siehe Praxishilfe Neophyten)
  • Pflanzen nicht versamen lassen!!