Auflagen & Empfehlungen (inkl. Bauen)

Erkennen und Bekämpfen der wichtigsten invasiven Neophyten

Das Dokument „Praxishilfe Neophyten, 2015“ hilft die wichtigsten invasiven Neophyten zu erkennen und zeigt auf, ob und wie sie bekämpft werden können und was dabei zu beachten ist (z.B. Meldepflicht).

Neophyten bei Bauvorhaben: allgemein

Der Flyer Neophyten bei Bauvorhaben richtet sich an Bauherren, Baubehörden und Planer. Es wird über den korrekten Umgang mit gebietsfremden Problempflanzen (invasive Neophyten) bei Bauvorhaben orientiert.

Neophyten bei Bauvorhaben: Umgang mit biologischen Belastungen

Die Weiterverbreitung und unerwünschte Ansiedlung invasiver Neophyten kann durch Bautätigkeiten und insbesondere durch Bodenverschiebungen begünstigt werden. Wird fortpflanzungsfähiges Pflanzenmaterial (Samen, Wurzeln, Rhizome etc.) zusammen mit Erdmaterial verteilt, können neue Neophytenstandorte entstehen. Diesbezüglich besonders problematisch sind Japanische Staudenknöteriche und Essigbaum.

Als biologisch belastet gilt Aushub, der mit austriebsfähigen Wurzeln, Rhizomen oder Samen von invasiven Neophyten gemäss Anhang 2 der FrSV (Amerikanische Goldruten, Aufrechte Ambrosia, Asiatische Staudenknöteriche, Drüsiges Springkraut, Essigbaum, Riesenbärenklau, Schmalblättriges Greiskraut) durchsetzt ist.

Gemäss Art. 15 Abs.3 der FrSV muss Aushub, der mit invasiven gebietsfremden Arten nach Anhang 2 belastet ist,  am Entnahmeort verwertet oder so entsorgt werden, dass eine Weiterverbreitung dieser Organismen ausgeschlossen ist.

Es wird dringend empfohlen Aushub, der mit Erdmandelgras belastet ist, gleich zu behandeln. Erdmandel ist ein gefürchtetes Unkraut in der Landwirtschaft und verbreitet sich bei uns ausschliesslich über die an den Wurzeln gebildeten Mandeln (mehr zum Erdmandelgras).

Allgemeine Vorschriften

  • Entsorgung in Inertstoffdeponie/Kiesgrube: Wird biologisch belastetes Aushubmaterial abgeführt, muss es in einer Deponie Typ B oder in einer dafür zugelassenen Kiesgrube (siehe hier) abgelagert und überdeckt werden.
  • Ausnahme: Aushub, der mit Amerikanischen Goldruten oder Drüsigem Springkraut belastet ist, kann unter bestimmten Auflagen auch in der Landwirtschaft verwertet werden (siehe Empfehlungen der AGIN).
  • Vorgehen Aushub: Vor Aushubbeginn ist der biologisch belastete Bereich zu markieren und die Baufachleute sind über die Behandlung des Materials zu informieren. Der Aushub gilt als biologisch belastet, solange Pflanzenteile wie Wurzeln oder Rhizome gefunden werden. Biologisch belasteter Aushub darf nicht mit unbelastetem Material vermischt werden, weil sonst das gesamte Material belastet ist. Richtwerte für die Tiefe und den Radius des Aushubs sind in der Empfehlungen der AGIN zu finden.
  • Ist der Boden zusätzlich chemisch oder physikalisch belastet gelten die zusätzlichen Bestimmungen der Altlasten und des Bodenschutzes.

Spezialfall Asiatische Knötericharten oder Essigbäume

Seit dem 1. Januar 2012 muss im Kanton Zürich bei Bauvorhaben, bei denen eine biologische Belastung des Bodens mit Asiat. Staudenknöterichen oder Essigbäumen vorliegt, zusätzlich zum kommunalen Baugesuchsformular das Zusatzformular "Belastete Standorte und Altlasten (inkl mit Neobiota belastete Standorte)" bei der Baubehörde eingereicht und ein Altlastenberater/Externer Befugter beigezogen werden (Adressliste Altlastenberater/Externe Befugte).

Eigenverantwortung bei Belastungen mit Amerikan. Goldruten, Ambrosia, Springkraut, Greiskraut

Der korrekte Umgang mit Aushub, der mit Amerikanischen Goldruten, Aufrechter Ambrosia, Drüsigem Springkraut, Riesenbärenklau oder Schmalblättriges Greiskraut belastet ist, erfolgt in Eigenverantwortung

Empfehlungen der AGIN zur Bekämpfung von Neophyten

Die AGIN hat Merkblätter zur Bekämpfung folgender invasiven Neophyten ausgearbeitet

 

Die AGIN hat Empfehlungen zu Bekämpfungzielen von sechs invasivern Neophyten ausgearbeitet (Ambrosia, Riesenbärenklau, Drüsiges Springkraut Nordamerikanische Goldruten, Asiatische Staudenknöteriche, Götterbaum)

Einschränkungen beim Verkauf gebietsfremder Problem-Pflanzen (Empfehlungen der AGIN)

Die AGIN hat Empfehlungen zu Einschränkungen beim Verkauf von gebietsfremden Problem-Pflanzen ausgearbeitet.

Sie empfiehlt bei gewissen Pflanzen vom Verkauf abzusehen (Verzicht), bei anderen Arten besteht eine Informationspflicht.

Die Entsprechenden Listen sind in der Empfehlung enthalten und umfassen alle Arten der Schwarzen Liste und der Watch Liste.

Entsorgung von Grüngut

Die unsachgemässe Entsorgung von Grüngut ist ein weiterer wesentlicher Ausgangspunkt für die Verbreitung von invasiven Neophyten. Privatpersonen sollten vermehrungsfähige Pflanzenteile von invasiven Neophyten in die Kehrrichtverbrennung geben. Fallen grössere Mengen an, sollte man sich bei der Gemeinde erkundigen, ob das Grüngut abgegeben werden kann.

Gemeinden und Unternehmer müssen bei der Entsorgung von Neopyhten darauf achten, dass fortpflanzungsfähiges Pflanzenmaterial in eine professionelle Kompostier- oder Vergärungsanlage gegeben wird (nicht in Gartenkompost- oder Feldrankompostierung!).

Eine Zusammenstellung finden Sie im Merkblatt "AGIN Empfehlung: Kompostieren, Vergären und Verbrennen invasiver Neophyten, 2015".

Umgang

  • Umgang (verkaufen, transportieren, freilassen, anpflanzen, pflegen)
    Grundsätzlich empfehlen wir, ausschliessliche einheimische Pflanzen zu verwenden. Für viele invasive Neophyten gibt es gute Alternativen (Liste mit Alternativen).
  • Eingeschränkter Umgang
    Gewisse gebietsfremde Organismen dürfen nur eingeschränkt freigesetzt werden (Art 15 Abs. 1), wenn sie beispielsweise :
    - allergen oder toxisch sind
    - sich in der Umwelt unkontrolliert verbreiten können
    - in der Schweiz gefährdete Organismen verdrängen
    - Funktionen von Ökosystemen verändern (z. B. Bodenfruchtbarkeit zur Produktion von Nahrungsmitteln und Gebrauchsstoffen, Filterung von Schad- und Nährstoffen im Boden Grundwasserneubildung, Erholungsfunktion einer intakten Natur und ansprechenden Landschaft)

    Arten, die auf der Schwarzen Liste und der Watch-Liste von info flora stehen, besitzen inetwa die genannten Eigeschaften.
  • Verbotener Umgang
    14 Arten wurden als derart "gefährlich" eingestuft, dass jeglicher Umgang mit ihnen in der Umwelt verboten ist. Diese Arten sind im Anhang 2 der FrSV aufgeführt.

Bekämpfung (nach Art. 52 FrSV)

  • Im Kanton Zürich gilt nur für Ambrosia, Riesenbärenklau und das Schmalblättrige Greiskraut eine Bekämpfungspflicht.
    Das heisst, dass alle bekannten Bestände vernichtet werden müssen. Zuständig ist in der Regel der Bewirtschafter, sonst der Grundeigentümer. Im Unterlassungsfall kann der Kanton eine kostenpflichtige Bekämpfung (beispielsweise durch Gärtner) anordnen.
  • Bei allen anderen Arten muss  nur zwingend bekämpft werden, falls das Schutzgut Gesundheit, Bodenfruchtbarkeit oder biologische Vilefalt im Einzellfall konkret gefährdet ist.
  • Es kann jedoch sinnvoll sein, weitere Arten zu bekämpfen, wenn sie
    - noch klein sind und der Aufwand gering ist
    - spätere Kosten viel höher ausfallen
    - andere Schutzgüter betroffen sind und der Grundeigentümer einverstanden ist
    - Verschleppungsgefahr droht
  • Pflanzen des Anhang 2 müssen nicht zwingend bekämpft werden, ausschlaggebend ist die Bedrohungslage im Einzelfall. Ausnahme: Ambrosia und Riesenbärenklau sind zwingend zu bekämpfen.

 

Es geht nicht darum, möglichst alle invasiven Neophyten/Neozooen zu bekämpfen. Es braucht vorher eine Güterabwägung, in welcher Nutzen/Schäden und Bekämpfungsaufwand gegeneinander abgewogen werden. Grundsätzlich gilt, je früher mit einer Bekämpfung begonnen wird, desto geringer fallen die Gesamtkosten aus.