Störfallvorsorge (Chemie)

Die Produktion, die Lagerung und der Transport von Treib- und Brennstoffen sowie chemischen Grundstoffen oder Erzeugnissen sind für unsere Wirtschaft und Gesellschaft notwendig, aber auch mit Risiken verbunden. Viele chemische Stoffe, Sonderabfälle oder auch Organismen können bei unkontrollierter Freisetzung zu Schäden an Mensch oder Umwelt führen.

Unfallereignisse, welche erhebliche Schäden an Bevölkerung oder Umwelt verursachen, werden als Störfälle bezeichnet. Die häufigsten Störfälle sind Brände bzw. Feuerbälle mit Hitzestrahlung, Explosionen mit Trümmerwurf und Druckwellen sowie Vergiftungen durch gasförmige Stoffe. Diese treten zwar nur selten auf, können aber mit Wirkungsradien von mehreren hundert Metern katastrophale Folgen haben.

Das Ziel der Störfallvorsorge ist es, die Bevölkerung und die Umwelt vor schweren Schädigungen infolge von Störfällen zu schützen. Betriebe und Verkehrswege mit Störfallrisiken unterstehen deshalb der Störfallverordnung.

Das AWEL vollzieht die Störfallverordnung im Kanton Zürich, kontrolliert und berät Betriebe mit grösseren Gefahrenpotenzialen und koordiniert Massnahmen für eine höhere Sicherheit von Mensch und Umwelt. Der Vollzug im Kanton Zürich ist in einer Wegleitung (auch als Druckausgabe erhältlich) beschrieben.

Was fällt in den Geltungsbereich der Störfallverordnung?

Die Störfallverordnung gilt für Betriebe, die gefährliche Stoffe, Zubereitungen oder Sonderabfälle in grösseren Mengen auf ihrem Betriebsareal lagern oder verarbeiten. Weiter gilt sie für Betriebe, die mit gentechnisch veränderten (GVO) oder pathogenen (Krankheit erregenden) Mikroorganismen, die der Gefahrenklassen 3 oder 4 zugeordnet sind.
 

Auch Verkehrswege, auf denen Gefahrgüter transportiert werden, unterstehen der Störfallverordnung. Dies gilt für Nationalstrassen (Zuständigkeit: Bundesamt für Strassen, ASTRA) und andere Durchgangsstrassen gemäss Durchgangsstrassenverordnung (Zuständigkeit AWEL) und für die meisten Bahnstrecken (Zuständigkeit: Bundesamt für Verkehr, BAV).

Ebenso fallen Erdgas-Hochdruckleitungen oder -Speicheranlagen sowie Pipelines in den Geltungsbereich der Störfallverordnung (Zuständigkeit: Bundesamt für Energie, BFE).

Für militärische Anlagen ist das Generalsekretariat  des Departements für Bevölkerungsschutz, Verteidigung und Sport (VBS) zuständig, für Flugplätze das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL).

Die Fachstelle des Bundes für Fragen der Störfallvorsorge ist das Bundesamt für Umwelt (BAFU), Abteilung Gefahrenprävention.

Raumplanung und Störfallvorsorge

Siedlungsentwicklung im Umfeld von Anlagen mit Störfallrisiken kann zu Konflikten zwischen Nutzungs- und Schutzinteressen führen. Die Störfallverordnung verpflichtet deshalb die Planungsbehörden zur Koordination von Raumplanung und Störfallvorsorge. Die Planungshilfe „Raumplanung und Störfallvorsorge“ zeigt für den Kanton Zürich auf, wie diese Koordination in der Richt- und Nutzungsplanung erfolgen soll.