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Kehrichtverbrennung (KVA)
Im Kanton Zürich führen sechs Betreiber sechs verschiedene Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) bzw. Kehrichtheizkraftwerke (KHKW).
Fünf dieser Anlagen arbeiten im Zürcher Abfallverwertungs-Verbund (ZAV) zusammen.
Gemeinsam betreiben diese Anlagen 11 Verbrennungslinien an fünf Standorten mit einer Kapazität von insgesamt 760'000 Tonnen pro Jahr. Der ZAV hat zum Zweck, die Kehrichtentsorgung im Kanton Zürich zu koordinieren.
Kehrichtverbrennungsanlagen im Kanton Zürich
| Anlage | Betreiber | Ort |
|---|---|---|
| KVA Hagenholz | ERZ Entsorgung + Recycling Zürich | Zürich |
| KVA Limmattal | Interkommunale Anstalt Limeco | Dietikon |
| KVA Winterthur | Stadtwerk Winterthur | Winterthur |
| KVA Hinwil | Zweckverband Kehrichtverwertung Zürich Oberland KEZO | Hinwil |
| KVA Horgen | Zweckverband für Abfallverwertung im Bezirk Horgen | Horgen |
KVA Josefstrasse (Fernwärme Zürich AG) ab 2011
KVA Josefstrasse, ab 2011 nicht mehr in der kantonalen Abfallplanung und Betrieben durch die Fernwärme Zürich AG (© ZAV 2010) Lightbox
Das Werk Josefstrasse wird ab 1.1.2011 aus der kantonalen Abfallplanung entlassen. Die Fernwärme Zürich AG übernimmt den Betrieb der Anlage nahtlos und produziert bis 2020 als Heizkraftwerk umweltfreundliche Wärme für Zürich-West.
Der dafür benötigte Abfall von rund 110'000 Tonnen pro Jahr stammt hauptsächlich aus dem grenznahen Ausland.
Bis zur Inbetriebnahme der neuen zentralen Klärschlammverwertungsanlage im Klärwerk Werdhölzli Mitte 2015 steht das Werk bei Bedarf nach wie vor für die Entsorgung des Klärschlamms zur Verfügung. Die Wärmeproduktion aus Abfall gilt als besonders umweltschonend: Sie ist CO₂-neutral und der Rohstoff Abfall stammt zu 50% aus erneuerbaren Quellen.
Aufgaben und Zuständigkeiten
Gegenüber den Gemeinden, die für die Kehrichtentsorgung und Verwertung zuständig sind, nimmt der Kanton Zürich eine Aufsichtsfunktion wahr.
Er unterstützt die Gemeinden und Betreiber der Anlagen in ihren Aufgabe und koordiniert die Kehrichtverbrennung mit den Nachbarkantonen sowie auf eidgenössischer Ebene. Zudem investiert der Kanton in die technologische Entwicklung der Anlagen und Verbrennungsprozesse. Dabei sucht er die Kooperation mit nationalen sowie internationalen Organisationen und Hochschulen.
Ziele und Strategien
Rohstoffe aus KVA-Rückständen zurückgewinnen und Energieeffizienz steigern bei optimierten Verbrennungskapazitäten und unter Schonung der Umwelt (© ZAV 2010) Lightbox
Der Kanton Zürich hat sich zum Ziel gesetzt, für optimierte Verbrennungskapazitäten innerhalb der Kantonsgrenzen zu sorgen. Bei absehbar rückläufigem Abfallaufkommen bedeutet dies, dass die heutigen Kapazitäten reduziert werden müssen.
Zusätzlich sollen aus den KVA-Rückständen möglichst viele Rohstoffe zurück gewonnen und die Energieeffizienz der Anlagen erhöht werden. Dabei gilt es ein Optimum zwischen Energienutzung und Qualität der Verbrennungsrückstände zu finden. Emissionen in die Umwelt (Luft, Wasser und Boden) werden gemäss dem Stand der Technik minimiert.
Heute nicht verwertbare Rückstände aus den thermischen Behandlungsprozessen sollen in nachsorgefreier Qualität ab- oder zwischengelagert werden können.
Der Kanton hat den KVA-Betreibern anspruchsvolle Ziele vorgegeben:
- Die Auslastung der KVA immer in einem Zielband von 90% bis 100% zu bewegen.
- Dabei die Energienutzung der Abfälle von heute 39% auf 51% im Jahr 2015 zu steigern.
- Den Anteil der verwerteten Schlacke oder solcher mit hoher Ausbrandqualität bis 2020 auf 90% zu heben, wobei der Verwertungsanteil bei 50% liegen soll.
- Die Menge der zurückgewonnenen Metalle aus der Schlacke weiter zu erhöhen. Es wird ein Indikator entwickelt, mit welchem die Effizienz der Metallrückgewinnung verfolgt werden kann.
Ausgewählte Kennzahlen und Fakten 2009
Abwasser- und Luftgrenzwerte im 2009 unterschritten - im Bild sieht man eine Nasswäsche für die Rauchgase (© ZAV 2010) Lightbox
Im Jahr 2009 nahmen die 5 Zürcher KVA inkl. der KVA Josefstrasse 853'000 Tonnen Abfall an:
- Wie im Vorjahr wurden 416'000Tonnen Kehricht (inkl. Sperrgut) angeliefert. Die Direktanlieferungen ging um 6.1% auf 333'000 Tonnen zurück.
- Die angelieferten Sonderabfälle gingen auf 25'000 Tonnen zurück.
- Beim entwässerten Klärschlamm dagegen war eine Zunahme um 4.3% auf 70'000 Tonnen zu verzeichnen.
- Die Lieferung von Kehricht aus dem Kanton Tessin wurde im Oktober 2009 eingestellt, weil die neue KVA in Giubiasco ihren Betrieb aufnahm. Weitere 8'000 Tonnen Abfall wurden von anderen KVA geliefert.
Die ermittelten Abwasser- und Luftemissionen lagen deutlich unter den entsprechenden Grenzwerten. Dank der konsequenten Koordination und Nutzung von Synergien verlief auch die Kostenentwicklung erneut positiv.
Die Zürcher KVA rechnen in Zukunft mit einem rückläufigen Markt, bedingt durch reduzierte Anlieferungen aus dem Ausland, durch vermehrtes Recycling und durch konkurrierende thermische Verwertung etwa von Altholz und Kunststoffen.
Dampfturbine und Generator in einer KVA zur Gewinnung von Energie in Form von Strom (© ZAV 2010) Lightbox
Energieproduktion:
Durch die thermische Verwertung von Abfällen wird die Masse des angelieferten Abfalls um rund 80% reduziert. Pro Tonne Abfall mussten im Berichtsjahr 2009 nur 184 Kilogramm Schlacke deponiert werden. Gleichzeitig resultierten aus der Verwertung 618 GWh Wärme (+1.5 %) und 419 GWh Strom (-2.8 %).
Die gesamte Energieproduktion durch die Kehrichtverbrennung entspricht dem substituierten Energiewert von rund 100 Millionen Litern Heizöl. Darüber hinaus konnten aus der Rohschlacke rund 11'000 Tonnen Eisen sowie weitere rund 2'300 Tonnen Aluminium, Kupfer, Messing und andere Buntmetalle rezykliert werden.
Frischwasserverbrauch:
Bei einem Frischwasserverbrauch von insgesamt 978'000 m³ blieb der spezifische Verbrauch mit 1'150 Liter pro Tonne verwertetem Abfall im Berichtsjahr 2009 etwa gleich wie im Vorjahr.
Der Löwenanteil des Frischwassers wird in der nassen Rauchgasreinigung verbraucht und über den Kamin als sauberer Wasserdampf an die Atmosphäre abgegeben. Die Qualitätssicherung der Abwasserreinigung aus der nassen Rauchgasreinigung basiert auf Online-Messungen werkinterner Routineanalysen und dreimal durchgeführten Eichmessungen. Die Messungen zeigen, dass die Grenzwerte gemäss Gewässerschutz-Verordnung (GSchV) stark unterschritten wurden. Eine weitere Abwassermenge von gesamthaft 193'000 m³ oder 227 Litern pro Tonne entsteht beim verwerteten Abfall.
Rauchgasreinigung:
Die von akkreditierten Messinstituten alle rund 25'000 Betriebsstunden durchgeführten Reingasanalysen bestätigen einmal mehr die gute Qualität der Rauchgasreinigungsanlagen in den Werken des ZAV. Die von der Luftreinhalteverordnung (LRV) vorgegebenen Grenzwerte werden meist stark unterschritten.
Kehrichtlogistik und Anlieferung der Abfälle in die KVA optimieren (© ZAV 2010)
Transportlogistik und Anlieferung:
Die Transporte zur Anlieferung von Kehricht finden überwiegend lokal statt. Obwohl die Transportlogistik bzw. Kehrichtlogistik nicht zu seinen Kernaufgaben gehört, nimmt der ZAV im Rahmen seiner Möglichkeiten Einfluss auf die Durchführung der Transporte von Abfällen. Dies im Sinne der vier Leitsätze von Geschäftsleitung und Lenkungsausschuss:
- So wenig Transporte wie nötig
- Transporte ökologisch optimieren
- Logistik als Teil der Abfallverwertungskette, ökologische Gesamtbetrachtung
- Erfolgskontrolle
- Ökobilanzielle Untersuchung der sauren Wäsche von KVA Flugasche in der Schweiz (ETH Zürich, Aveny GmbH, 2011) (PDF, 1 MB)
- Schlacke - Qualitätsentwicklung konventionell ausgetragener Schlacke (AWEL, 2009) (PDF, 1 MB)
- VBSA: Verband der Betreiber Schweizerischer Abfallverwertungsanlagen
- CEWEP: Confederation of European Waste-to-Energy Plants - represents about 390 Waste-to-Energy Plants across Europe
- ZAV Jahresberichte zu Tätigkeiten & Umwelt aus früheren Jahren
Weitere Informationen
Kontakte
AWEL
Abteilung Abfallwirtschaft & Betriebe
Sektion Abfallwirtschaft
Weinbergstrasse 34
Postfach
8090 Zürich
Kontaktperson:
Dr. Leo Morf
Telefon
043 259 39 70
Fax
043 259 42 80
E-Mail
leo.morf@bd.zh.ch
Kontaktperson Lufthygiene:
Angelo Papis
Telefon
043 259 56 35
Fax
043 259 51 78
E-Mail
angelo.papis@bd.zh.ch





