Kehrichtverwertungsanlagen (KVA)

Im Kanton Zürich führen sechs Betreiber sechs verschiedene Kehrichtverwertungsanlagen (KVA) bzw. Kehrichtheizkraftwerke (KHKW).

Fünf dieser Anlagen arbeiten in der Zürcher Abfallverwertungs AG zusammen.

Gemeinsam betreiben diese Anlagen 11 Verbrennungslinien an fünf Standorten mit einer Kapazität von insgesamt rund 780'000 Tonnen pro Jahr. Die Zürcher Abfallverwertungs AG hat nach langjährigem Aufbau eine zentrale Bedeutung für die Zusammenarbeit der fünf Partner im Kanton Zürich erlangt. Durch die Betreuung der Marktkehricht-Kunden stellt sie die optimale Auslastung der Verwertungskapazitäten sicher und
gewährleistet die Entsorgungssicherheit durch Aushilfe im Falle von geplanten und ungeplanten Anlagenstillständen.

Kehrichtverwertungsanlagen im Kanton Zürich

AnlageBetreiberOrt
KVA HagenholzERZ Entsorgung + Recycling ZürichZürich
KVA LimmattalInterkommunale Anstalt LimecoDietikon
KVA WinterthurStadtwerk WinterthurWinterthur
KVA HinwilZweckverband Kehrichtverwertung Zürich Oberland KEZOHinwil
KVA HorgenZweckverband für Abfallverwertung im Bezirk HorgenHorgen

Standort- und Kapazitätsplanung

Gemäss eidgenössischem Umweltschutzrecht haben die Kantone eine Abfallplanung zu erstellen und diese periodisch Nachzuführen.

Der vorliegende Bericht «Überprüfung der Kapazitäts- und Standortplanung der thermischen Verwertung von Abfällen im Kanton Zürich 2012-2035» ist das Resultat eines gemeinsamen Planungsprozesses mit den Trägerschaften der Kehrichtverwertungsanlagen. Diese aktuelle KVA-Kapazitäts- und Standortplanung ist in den verbindlichen Massnahmenplan der Abfall- und Ressourcenwirtschaft integriert worden. Wird im Rahmen des jährlichen Controllingprozesses festgestellt, dass sich verändernde Rahmenbedingungen substanziellen Einfluss auf das Planungsresultat haben, erfolgt eine Überprüfung der Kapazitätsplanung.

KVA Josefstrasse (Fernwärme Zürich AG) ab 2011

Das Werk Josefstrasse wurde ab 1.1.2011 aus der kantonalen Abfallplanung entlassen. Die Fernwärme Zürich AG übernahm den Betrieb der Anlage nahtlos. Die KVA produziert bis 2020 als Heizkraftwerk umweltfreundliche Fernwärme für Zürich-West sowie elektrischen Strom.

Der dafür benötigte Abfall von rund 110'000 Tonnen pro Jahr stammt hauptsächlich aus dem grenznahen Ausland.

Aufgaben und Zuständigkeiten

Gegenüber den Gemeinden, die für die Kehrichtentsorgung und Verwertung zuständig sind, nimmt der Kanton Zürich eine Aufsichtsfunktion wahr.

Der Kanton ist verantwortlich für Planung (Entsorgungssicherheit und -kosten), Bewilligung und Kontrolle der Anlagen.

Er unterstützt die Gemeinden und Betreiber der Anlagen in ihren Aufgabe und koordiniert die Kehrichtverwertung mit den Nachbarkantonen sowie auf eidgenössischer Ebene.

Zudem investiert der Kanton in die technologische Entwicklung der Anlagen und Verbrennungsprozesse. Er ermittelt und beschreibt den Stand der Technik und berücksichtigt diesen bei der Erteilung der Betriebsbewilligungen. Er unterstützt die Weiterentwicklung innovativer Technologien und den Technologietransfer im vom AWEL mitgetragenen Zentrum für nachhaltige Abfall- und Ressourcennutzung ZAR. Dabei sucht er die Kooperation mit nationalen sowie internationalen Organisationen und
Hochschulen.

Ziele und Strategien

Der Kanton Zürich hat sich zum Ziel gesetzt, für ökologisch und ökonomisch optimierte Verwertungskapazitäten innerhalb der Kantonsgrenzen zu sorgen. Bei absehbar rückläufigem Abfallaufkommen bedeutet dies, dass die heutigen Kapazitäten reduziert werden müssen.

Zusätzlich sollen aus den KVA-Rückständen möglichst viele Rohstoffe zurück gewonnen und die Energieeffizienz der Anlagen erhöht werden (Ressourceneffizienz). Dabei gilt es ein Optimum zwischen Energienutzung und Qualität der Verbrennungsrückstände zu finden. Emissionen in die Umwelt (Luft, Wasser und Boden) werden gemäss dem Stand der Technik minimiert.

Heute nicht verwertbare Rückstände aus den thermischen Behandlungsprozessen sollen in nachsorgefreier Qualität ab- oder zwischengelagert werden können.

Der Kanton hat den KVA-Betreibern anspruchsvolle Ziele vorgegeben:

  • Die Auslastung der KVA immer in einem Zielband von 90% bis 100% zu bewegen.
  • Dabei soll die Energienutzung aller KVA - gemessen als gewichtetes Mittel der energetische Nettoeffizienz (ENE)-Kennzahl aller ZAV-Anlagen von heute (2014: ENE=0.67) - bis ins Jahr 2035 um nochmals einen Drittel (ENE≥0.9) gesteigert werden. Damit kann alleine im Kanton Zürich ein grosses zusätzliches Energiepotential (Strom: +110 GWh; Wärme: +410 GWh) genutzt werden.
  • Die Menge der zurückgewonnenen Metalle aus der Schlacke und Filterasche soll gemäss dem Stand der Technik deutlich erhöht werden.
  • Den Anteil der verwerteten oder emissionsarm (mit einem Zielwert TOC<0.5% wird org. Kohlenstoff DOC <20 mg/l angestrebt) abgelagerten Schlacke soll bis 2024 auf 90% erhöht werden.

Ausgewählte Kennzahlen und Fakten

Die 5 Zürcher KVA (ohne die KVA Josefstrasse) verwerten rund 780'000 Tonnen Abfall pro Jahr:

  • Davon betragen rund 400'000 Tonnen Kehricht (inkl. Sperrgut). Die Direktanlieferungen liegt bei rund 300'000 Tonnen.
  • Die Menge angelieferter Sonderabfälle beträgt in etwa 30-40'000 Tonnen pro Jahr.
  • Entwässerter Klärschlamm wird seit Mitte 2015 nicht mehr angenommen.
  • Ausserkantonale Importe liegen je nach Kapazität und Marktsituation bei rund 30-50'000 Tonnen pro Jahr.

Durch die thermische Verwertung von Abfällen wird die Masse des angelieferten Abfalls um rund 80% reduziert. Es fallen
jährlich rund 150'000 Tonnen Rohschlacke und 19'000 Tonnen Rauchgasreinigungsrückstände an, die weiter behandelt und entsorgt werden.

Die ermittelten Abwasser- und Luftemissionen liegen in der Regel immer deutlich unter den entsprechenden Grenzwerten.

Aktuelle Zahlen sind im Tätigkeits- und Umweltbericht des ZAV zusammengefasst publiziert

Energieproduktion:
Aus der energetischen Verwertung in den
5 Werken wurden im Jahr 2013 637 GWh Wärme und 367 GWh Strom produziert.

Die gesamte Energieproduktion durch die Kehrichtverbrennung entspricht dem substituierten Energiewert von rund 100 Millionen Litern Heizöl. Darüber hinaus können aus der Rohschlacke rund 11'000 Tonnen Eisen sowie weitere rund 2'300 Tonnen Aluminium, Kupfer, Messing und andere Buntmetalle rezykliert werden.

Frischwasserverbrauch:
Bei einem Frischwasserverbrauch von insgesamt rund 978'000 m³ beträgt der spezifische Verbrauch rund 1'200 Liter pro Tonne verwertetem Abfall.

Der Löwenanteil des Frischwassers wird in der nassen Rauchgasreinigung verbraucht und über den Kamin als sauberer Wasserdampf an die Atmosphäre abgegeben. Die Qualitätssicherung der Abwasserreinigung aus der nassen Rauchgasreinigung basiert auf Online-Messungen werkinterner Routineanalysen und dreimal durchgeführten Eichmessungen. Die Messungen zeigen, dass die Grenzwerte gemäss Gewässerschutz-Verordnung (GSchV) stark unterschritten wurden. Die Abwassermenge aller Werke beträgt gesamthaft knapp 200'000 m³ oder etwa 230 Litern pro Tonne entsteht beim verwerteten Abfall.

Rauchgasreinigung:
Die von akkreditierten Messinstituten alle rund 25'000 Betriebsstunden durchgeführten Reingasanalysen bestätigen die gute Qualität der Rauchgasreinigungsanlagen in den Werken des ZAV. Die von der Luftreinhalteverordnung (LRV) vorgegebenen Grenzwerte werden meist stark unterschritten.

Anlieferungsplatz in einer Kehrichtverbrennungsanlage
Kehrichtlogistik und Anlieferung der Abfälle in die KVA optimieren (© ZAV 2010)

Transportlogistik und Anlieferung:
Die Transporte zur Anlieferung von Kehricht finden überwiegend lokal statt. Obwohl die Transportlogistik bzw. Kehrichtlogistik nicht zu seinen Kernaufgaben gehört, nimmt der ZAV im Rahmen seiner Möglichkeiten Einfluss auf die Durchführung der Transporte von Abfällen. Dies im Sinne der vier Leitsätze von Geschäftsleitung und Lenkungsausschuss:

  • So wenig Transporte wie nötig
  • Transporte ökologisch optimieren
  • Logistik als Teil der Abfallverwertungskette, ökologische Gesamtbetrachtung
  • Erfolgskontrolle