Rückbaustoffe

Riesiges Ressourcenpotential im Bausektor

Aus der Erneuerung des "Bauwerks Zürich" fallen in der Bauwirtschaft gegenwärtig rund 2.5 Millionen Tonnen Rückbaustoffe pro Jahr an.

Rund drei Viertel dieser Rückbaustoffe sind mineralische Baustoffe, nämlich etwa 1.2 Millionen Tonnen Beton, 0.8 Millionen Tonnen Kies und Sand, 0.5 Millionen Tonnen Mauerwerk, Glas, Keramik und Gips.

Schweizweit werden jedes Jahr rund 50 Millionen Tonnen Baustoffe benötigt. Fast ein Fünftel davon – 9.3 Millionen Tonnen – wird mit wiederverwertbaren Rückbaustoffen abgedeckt.

Gipsentsorgung - Quo vadis?

Obwohl die Schweiz über grosse geogene Gipsvorkommen verfügt, wird etwas mehr als 50% des Gipsbedarfs (855‘000 Tonnen/Jahr), durch Importe gedeckt. Der aus dem Rückbau und der Sanierung anfallende Gips im Umfang von rund 300’000 t/a wird grösstenteils in Inertstoffdeponien entsorgt. Nur sehr geringe Mengen (3‘000-5‘000 t/a) werden verwertet und in die Gipsproduktion zurückgeführt.

Angesichts der starken Zunahme des Einsatzes von Gipskartonplatten sowie zunehmenden Sulfatauswaschungen aus Gipsvorkommen in Inertstoffdeponien, hat das AWEL eine Studie zur Modellierung der Gipsströme in Auftrag gegeben. Im Rahmen der Untersuchungen konnten wichtige Erkenntnisse zu den Gipsflüssen und vor allem zur Entwicklung der Gipsabfälle gewonnen werden. Es zeigt sich, dass Massnahmen zur Steuerung der Gipsflüsse notwendig sind, da davon ausgegangen wird, dass die Materialflüsse stark ansteigen werden. Die wichtigste Massnahme zur Verminderung der Gipsflüsse in die Deponien und KVA ist ein  verstärktes Recycling der Gipsabfälle. Welche Chancen, Herausforderungen und Potenziale sich dabei ergeben, und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wurde im Rahmen eines Workshops im März 2015 mit Fachleuten aus der Zement- und Gipsindustrie, sowie der Entsorgungs- und Aufbereitungsindustrie, diskutiert. Interessierte Akteure aus der Branche sind herzlich eingeladen, sich in diesem Netzwerk aktiv einzubringen. Das AWEL unterstützt sie gerne dabei.

Weitere Informationen zum Gipsmodell, dem Workshop sowie den Potenzialen von Urban Mining, inklusive zu Gips, sind hier verfügbar:

Kies für Generationen

„Kies für Generationen“ ist eine Organisation und eine Strategie, welche die Verwertung dieser mineralischen Baustoffe fördert.

Das Ziel von „Kies für Generationen“ ist es, diese riesigen Materialströme als Baustoffe wieder in die neuen oder umgebauten Bauwerke im Hoch- und Tiefbau zu bringen. Mit dieser Massnahme werden die natürlichen Kiesvorkommen geschont, riesige Deponievolumina eingespart und die Verbreitung von Fremd- und Schadstoffen in die Umwelt vermindert. Das AWEL hat mit "Kies für Generationen" eine Plattform geschaffen, die sich als Think-Tank und Wissensvermittler für alle Beteiligten anbietet. 

"Kies für Generationen" will also heissen, Kies als Bau- und als Zuschlagsstoff immer wieder zu verwenden. In einem so "steinreichen" Land wie der Schweiz könnte man meinen, das sei eigentlich kein Thema. Bei einem Bedarf nach mineralischen Baustoffen von derzeit ca. 4 bis 6 Tonnen pro Einwohner und Jahr in der Schweiz sind die mineralischen Ressourcen aber durchaus ein Thema.

Bei den Rückbaustoffen werden gebundene Produkte heute nach geltenden Normen hergestellt. Die losen Formen, welche in den Koffern des Strassenbaus eingesetzt werden, entsprechen der BAFU-Richtlinie für die Verwertung mineralischer Bauabfälle (2006). Die Akzeptanz der Verwendung im Hochbau muss aber noch deutlich erhöht werden. Ein zentrales Ziel ist daher, Rahmenbedingungen für die vollständige Integration der Rückbaustoffe in den Baustoffmarkt zu schaffen. Und sie als attraktive Alternativen zu Baustoffen aus primären Ressourcen zu etablieren.    

Rückbaustoffe gehören zu den wertvollsten Rohstoffen der Bauwirtschaft:

  • Sie sind für Mensch und Umwelt unbedenklich und ihr Einsatz schont die natürlichen Rohstofflager
  • Dank einem Recyclingpotenzial von rund 90 Prozent weisen sie einen sehr hohen wirtschaftlichen Nutzen auf

KAR-Modellierung

Überkantonale Zusammenhänge sind in den Berichten «KAR Modell: Modellierung der Kies-, Aushub- und Rückbaumaterialflüsse» modelliert.

Die Daten sind in der KAR-Modellierung online dargestellt.