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Abfallarten von A bis Z
Sammeln oder nicht sammeln?
Sollen gemischte Kunststoffe aus Haushaltungen gesammelt werden? Lightbox
Kunststoffe zu rezyklieren ist vor allem dann sehr aufwändig und teuer, wenn sie umfassend sortiert und gereinigt werden müssen. Dies ist der Fall, wenn alle Kunststoffe gemischt gesammelt und erst anschliessend sortiert werden, so wie das in einigen Nachbarländern praktiziert wird.
Kunststoffabfälle aus Industie und Gewerbe (z.B. Wickelfolien) fallen – im Gegensatz zu Kunststoffabfällen aus Haushalten – tendenziell in grösseren Mengen an. Zudem sind diese meist sortenrein und zum Teil sauber. Sie sind also für die stoffliche Verwertung oft besser geeignet als Kunststoffabfälle aus Haushalten.
«Kunststoffrecycling in der Schweiz?» – neue Grundlagen des Bundesamts für Umwelt (BAFU)
Momentan empfiehlt es sich für Gemeinden mit der Sammlung von gemischten Kunststoffen aus Haushalten noch zu warten (Stand: Januar 2012) Lightbox
In der Schweiz existieren regionale Versuche von Sammlungen gemischter Kunststoffe aus Haushalten. Die Kosten für Sammlung, Transport und Sortierung sind aber nach wie vor sehr hoch und ausserdem sind zurzeit für diese Art von Kunststoffabfällen kaum Abnehmer zu finden.
Im Fühling 2010 wurde ein «Runder Tisch Kunststoffrecycling Schweiz» ins Leben gerufen, um der Forderung nach mehr Kunststoffrecycling in der Schweiz nachzugehen und dabei mit Hilfe von Studien Optionen und Potentiale zu erörtern und zu prüfen. Dieser Runde Tisch ist aus Interessenvertretern von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden, des Detailhandels, des VBSA, der Zementwerke, der Rezyklisten und der Kunststoffbranche zusammengesetzt.
Auf der BAFU-Webseite zu Abfall hat der Bund einen neuen, angepassten Text zum Kunststoffrecycling veröffentlicht. Dort finden sich unter anderem auch das Mengendiagramm «Kunststoffströme Schweiz 2010» sowie Erkenntnisse und Resultate zu den Erhebungen und Arbeiten der Studien-Module 1 und 2 des «Runden Tisches Kunststoffrecycling Schweiz», die man als PDF herunterladen kann.
Momentan empfiehlt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) den Gemeinden, mit einer Sammlung von gemischten Kunststoffabfällen aus Haushalten noch zu warten.
Das AWEL wird über Entwicklungen in der Kunststoffsammlung aus Haushalten weiterhin laufend informieren und zu gegebener Zeit konkretre Empfehlungen abgeben können.
Bio-Plastik
Wie ökologisch sind Bio-Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen?
Sind Bio-Kunststoffe eine ökologisch sinnvolle Alternative zu konventionellen Kunststoffen auf Erdölbasis?
Bio-Kunststoffe drängen sich vermehrt und in verschiedensten Arten und Formen auf den Markt. So z.B. als Joghurtbecher aus nachwachsenden Rohstoffen, beigemischt in «Plantbottles» als Getränkebehältnisse oder sogar schon als «green made» Abfallcontainer (siehe auch Mehr zum Thema, unten).
Wer diese Produkte kauft, hilft der Umwelt, so die Werbebotschaft der Anbieter. Eine Sorte Bio-Kunststoff von vielen, die momentan besonders im Fokus steht ist PLA (Polyactid bzw. Polymilchsäure); ein biologisch abbaubarer Polyester, der auf der Basis von Maisstärke hergestellt wird (siehe auch Mehr zum Thema, unten).
Ökobilanzen sind ernüchternd
Ökobilanzen und Studien zu Bio-Kunststoffen zeigen nun aber eher ernüchternde Resultate zur Umweltperformance dieser Werkstoffe, ganz entgegen den Versprechungen in Werbungen und auf Verpackungen. Konventionelle Plastikbecher auf Erdölbasis zum Beispiel schneiden bezüglich der totalen Umweltbelastung – also gesamtökologisch gesehen – immer noch gleich gut oder sogar besser ab als Becher aus PLA. Das bestätigen unter anderem auch jüngste Studien und Berechnungen des Ifeu in Heidelberg oder der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA). Der Anbau von Nahrungspflanzen und die Verarbeitungsprozesse bis hin zum Bio-Kunststoff sind ressourcen-intensiv. Es braucht viel Wasser, Dünger, Pestizide und Treibstoffe (z.B. Diesel).
Vertiefte, kritische Auseinandersetzung mit Bio-Plastik lohnt sich!
Überdies werden in den Anbauländern häufig gentechnisch veränderte Pflanzen verwendet und Bioplastik sorgt vor allem auch in Rezyklierprozessen anderer Kunstoffsorten, wie z.B. PET, für gravierende Probleme und bringt beim Kompostieren und Vergären keinen Mehrwert oder baut sich nur unvollständig ab.
Zudem steht die Vorsilbe «Bio» für zwei Eigenschaften: für «biobasiert» und/oder für «biologisch abbaubar». Biobasiert sind Erzeugnisse, die teilweise oder ganz aus nachwachsenden Rohstoffen stammen, aber nicht zwingend biologisch abbaubar sind.
Die Liste der «Fallstricke» im Zusammenhang mit Bio-Kunstoffen ist also lang und wer es ernst meint mit der Ressourcenschonung, ethischen Aspekten (Konkurrenz zu Nahrungsmittel) und der Umwelt, kommt um eine kritische und vertiefte Auseinandersetzung mit diesen Produkten nicht herum.
- Biologisch abbaubare Kunststoffe - Hintergrundpapier (Umweltbundesamt, 2009) (PDF, 719 kB)
- PET-Wissen: Kleines Lexikon der Kunststoffe - Sammelbegriff Bioplastics (PRS, 2012) (PDF, 83 kB)
- Umweltbundesamt in Deutschland
- Deutsche Umwelthilfe: DHU Hintergrundpapier zu biologisch abbaubarem Kunststoff (Juli, 2011)
- Praktischer Umweltschutz Schweiz Pusch: Newsletter November 2011 - Wirbel um Joghurtbecher aus Bio-Kunststoff
- Der Schwindel mit den Ökobechern (Beitrag Kassensturz, Oktober 2011)
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